Projektbeschreibung

Laufzeit: 01.09.2015 – 30.09.2017
Finanzierung: Exzellenzmittel der Universität Konstanz

In Baden-Württemberg hat rund ein Fünftel aller Kinder einen Migrationshintergrund. Diese Kinder sind somit potentiell mehrsprachig (Statisches Landesamt Baden-Württemberg, 2013). Laut einer Erhebung des Mercator-Instituts für Deutsch als Zweitsprache und Sprachförderung unterrichten 83% aller LehrerInnen Schüler mit Migrationshintergrund, doch knapp zwei Drittel der LehrerInnen fühlen sich nicht kompetent diese Schüler adäquat im Unterricht zu fördern (Becker-Mrotzek, 2012). Hier scheint vor allem die fehlende Ausbildung bezüglich des Umgangs mit Mehrsprachigkeit in der Kita und im Klassenzimmer eine Rolle zu spielen. Insofern ist bei pädagogischem Personal die Verunsicherung groß und häufig wird die Förderung der mehrsprachigen (oder potentiell mehrsprachigen) Schüler in Randstunden oder Deutsch-als-Zweitsprache-Kurse verschoben. Besonders schwierig ist nach wie vor der Austausch zwischen den Institutionen im Bereich Sprache.

Die Transferplattform „Mehrsprachigkeit in Kita und Schule“ hat daher zwei Ziele: Erstens soll eine Erhebung des Wortschatzes und der Leseleistungen von mehrsprachigen und speziell italienisch-deutschen Kindern in Konstanz und Umgebung sowie unter den LehrerInnen und ErzieherInnen durchgeführt werden. Auf der Basis der Erhebungen, der Befragungen des pädagogischen Personals und deren Erfordernissen des pädagogischen Alltags soll zweitens ein Fortbildungszyklus mit Partnern aus der Praxis entwickelt werden, in den auch die Ergebnisse der Untersuchung einfließen.

Untersucht werden sollen Kinder italienischer und gemischt mehrsprachiger Herkunft zwischen dem letzten Kita-Jahr und der zweiten Klasse. Da unter den Migranten speziell in Konstanz Kinder italienischer Herkunft die größte Gruppe darstellen, soll ein besonderes Augenmerk auf diese Gruppe gelegt werden. Zusätzlich zum regulären Unterricht werden Schüler italienischer Herkunft auch in Sprache-/Schriftsprache und Landeskunde unterrichtet. Dennoch soll aber auch eine Gruppe mehrsprachiger Kinder unterschiedlicher Herkunft untersucht werden, da bei türkischen, russischen, polnischen, etc. Kindern noch einmal andere Problembereiche relevant sein könnten. Unter ErzieherInnen und LehrerInnen werden jeweils BezugserzieherIn bzw. KlassenlehrerIn für die Befragung ausgewählt. Vor dem Beginn der Untersuchung wird im Rahmen eines Runden Tisches das Design und Details der Erhebung mit den pädagogischen Fachkräften abgestimmt.

Die Daten dieser Erhebung werden in einen Fortbildungszyklus aufgenommen. Dieser einjährige Fortbildungszyklus mit Workshop-Charakter zu den Themen Spracherwerb, Schriftspracherwerb, Mehrsprachigkeit und Sprachförderung bei bi- und multilingualen Kindern soll in Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt, den Städtischen Kindertagesstätten sowie dem italienischen Generalkonsulat durchgeführt werden. Hierbei sollen Tandems aus ErzieherInnen und LehrerInnen gebildet werden. Die Teilnahme der italienischen MuttersprachlehrerInnen soll insbesondere den Austausch mit den Schulen und Kitas ermöglichen.